Eine Theatergruppe in Norheim – von den Anfängen bis heute

Schon als Kind war ich begeistert vom Laientheaterspiel. Mein Vater wirkte in einer Theatergruppe als Schauspieler mit und mein Patenonkel führte Regie. Das war Ende der fünfziger Jahre in Hackenheim.

Es war eine schöne Laienspieltruppe, die sich über Monate traf, um ein Theaterstück einzuüben. Schon als Kind spürte ich die besondere Atmosphäre, wenn die Aufführungen bevorstanden. Die Anspannung wuchs und das Lampenfieber stieg solange, bis sich der Vorhang der Bühne zur Premiere des Stückes öffnete.

Schon damals hatte ich den Wunsch: „Wenn ich einmal groß bin, dann möchte ich auch gerne Theaterspielen“!

Die Jahre vergingen, die Fernsehgeräte kamen in die Häuser und das Theaterspiel in den Gemeinden ging mehr und mehr verloren. Die Menschen saßen lieber daheim vor der „Glotze“ und schauten sich „die Hesselbachs“, „das Ohnsorg Theater“ oder andere Unterhaltungssendungen mit Wim Thoelke, Peter Frankenfeld oder Harald Juhnke an, statt in einem Gemeindesaal das Spiel einer Laiengruppe zu verfolgen.

Doch auch die Begeisterung für das Fernsehen legte sich irgendwann und man erinnerte sich an die schönen Seiten des Theaterspielens, an die Gemeinschaft, das gemeinsame Üben, das Verkleiden und das Schlüpfen in andere Rollen, das Bauen und Einrichten der Kulisse, kurzum alles was man auf die Beine stellt, um interessierten Zuschauerinnen und Zuschauern Freude und Spaß zu bereiten. In vielen Gemeinden und Städten fanden sich Menschen, die dieses Ziel wieder verfolgten. Sie gründeten neue Theatergruppen oder reaktivierten Vereine, die es noch aus der Vergangenheit gab.

So kam auch bei mir im Jahr 2010 die Erinnerung an den Wunsch aus Kindertagen wieder auf und ich setzte einen Aufruf in das Mitteilungsblatt der damaligen Verbandsgemeinde Bad Münster am Stein-Ebernburg. Ich wollte sehen, ob sich Interessierte finden würden um das Projekt „Theatergruppe in Norheim“ gemeinsam anzugehen.

Tatsächlich meldeten sich einige, denen das Theaterspielen anscheinend im Blut lag und die gerne mit dabei sein wollten. Bald war auch mit „Das Weihnachtsekel“ ein erstes Stück gefunden, ein Einakter, den die Mitwirkenden im Advent 2010 beim Seniorennachmittag aufführten. Der Erfolg war so groß, dass die spontan durchgeführte „Hutsammlung“ einen Betrag von fast 500 Euro einbrachte. Das spornte uns an, weiterzumachen.

Im darauffolgenden Jahr wurde erneut ein Einakter, das Stück „Ein Engel kommt nach Norheim“ für den Seniorennachmittag eingeübt und aufgeführt. Ein weiteres Stück „Feuer marsch“, war der dritte Einakter, den wir auf die Bühne brachten.

Inzwischen trauten wir uns durchaus etwas größere Herausforderungen zu und daher wagten wir uns im Jahr 2012 an den ersten Dreiakter „Einmal Bali und zurück“. Gleichzeitig wollten wir ein solches Stück nicht ohne richtige Kulisse spielen und liehen uns daher bei der befreundeten Theatergruppe „Hochstätter Komödchen“ die Kulissenwände aus.

Nach einem grandiosen Erfolg unseres ersten „richtigen“ Theaterstücks war schnell klar, dass wir eigene Kulissenwände haben wollten. Bis im Folgejahr machten wir uns mit Holzrahmen und Kunststoffplatten ans Werk. Jedes Jahr wurde seitdem die Kulisse um weitere Bauteile erweitert und wurde immer ein wenig perfekter.

Die Ausstattung unserer Bühnenbilder zu den entsprechenden Theaterstücken bekommen wir meistens aus Haushaltsauflösungen. Gelegentlich stammen die Einrichtungsgegenstände aber auch aus den Wohnungen unserer Mitspielerinnen und Mitspieler. So kam es schon öfter einmal vor, dass ein Bild, ein Tisch, ein Sofa oder ein Schrank in der Wohnung einer Schauspielerin oder eines Schauspielers für einige Zeit fehlte.

Anfänglich war die Norheimer Theatergruppe dem „Norheimer Netz Nachbarschaftshilfe e.V.“ angegliedert. Aber nachdem das Theaterspiel sich schnell und erfolgreich entwickelt hatte, wurde der Wunsch laut, wir wollen ein selbständiger Verein werden. Und so gründeten wir im Jahr 2012 den „Norheimer Kultur- und Theaterverein Lampenfieber e.V.“

Heute sind wir ein Verein, der zwar „nur“ 25 Mitgliedern hat aber trotz dieser geringen Zahl sind wir mittlerweile ein fester Teil des Norheimer Vereinslebens geworden, der viel Spaß und Unterhaltung bringt.

Außer den jährlichen Aufführungen, die immer am 1. Adventswochenende und seit 2018 zusätzlich am Wochenende davor stattfinden, gab es auch eine „Sondervorstellung“ bei der 1250-Jahrfeier der Ortsgemeinde Norheim im Jahr 2016. Mit drei Szenen rund um den frühesten historischen Nachweis der Gemeinde haben wir den Festabend mitgestaltet. Die Texte für unsere Auftritte hatte Wolfgang Bartels speziell für diesen Anlass geschrieben.

Nachdem die Zuschauerzahlen kontinuierlich angestiegen sind, konnten wir auch Jahr für Jahr steigende Einnahmen verzeichnen. Als Antwort auf die Frage, was wir mit dem „erwirtschafteten“ Überschuss anfangen sollen, wurde bei der Mitgliederversammlung 2014 beschlossen, in jedem Jahr „etwas Gutes“ zu tun. Mit den erspielten Einnahmen haben wir seitdem soziale Projekte in und um Norheim unterstützt.

Nach wie vor ist es für uns ein Herzensanliegen nach dem Motto „Spielen und Gutes tun“ einen Teil des erspielten Überschusses an Menschen in unserem Umfeld zurückzugeben, die unsere Unterstützung brauchen.

 

Norheim im Dezember 2019

Ludwig Wilhelm, Ortsbürgermeister a.D.